Jodiertes Speisesalz:
Wichtigste Vorsorgemaßnahme gegen Jodmangelerkrankungen
Jod ist für den menschlichen Organismus ein lebenswichtiges Spurenelement, das – weil es vom Körper nicht selbst gebildet werden kann – regelmäßig mit der Nahrung aufgenommen werden muss. Speisesalz eignet sich in besonderer Weise als Trägerstoff für Jod und hilft so, Mangelerscheinungen und gesundheitlichen Schäden vorzubeugen.
Für die Bildung der Schilddrüsenhormone, die an zahlreichen lebenswichtigen Vorgängen im Stoffwechsel und bei der Kreislaufregulation beteiligt sind, benötigt der Körper Jod. Schwangere und stillende Frauen haben sogar einen erhöhten Jodbedarf. Mit diesem Thema beschäftigt sich seit vielen Jahren der Arbeitskreis Jodmangel. Laut Professor Dr. Roland Gärtner, Sprecher des Arbeitskreises Jodmangel, kann es "bei einem Jodmangel im Kindes- und Jugendalter neben Lern- und Merkschwierigkeiten auch zu Beeinträchtigungen der Intelligenzentwicklung kommen."
Hauptlieferanten von Jod sind Seefische und Meerestiere, auch Milch und Milchprodukte sowie bestimmte Gemüsesorten (unter anderem Feldsalat, Spinat, Brokkoli) sind nennenswerte Jodquellen. Da der Verzehr von Seefisch aber immer stärker zurückgeht und die meisten europäischen Länder als Jodmangelgebiete gelten, wird der Gebrauch von jodiertem Speisesalz empfohlen, und zwar für alle Altersgruppen.
Entscheidende Signalwirkung zur Bekämpfung des weltweiten Jodmangels hatte der Weltkindergipfel der Vereinten Nationen im Jahr 1990. Damals verpflichteten sich 192 Länder – darunter auch Deutschland – zu nationalen Gesundheitsprogrammen, um den Jodmangel bis zum Jahr 2000 zu beseitigen. Deutschland hat dieses Ziel bis heute nicht vollständig erreicht.
"Insgesamt lässt sich die Jodversorgung in Deutschland als nahezu ausreichend beschreiben", fasst Prof. Dr. Thomas Remer vom Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung die Ergebnisse aktueller Studien bei einer Presseveranstaltung des Arbeitskreises Jodmangel in München zusammen. Der Ernährungs-wissenschaftler weist allerdings darauf hin, dass trotz aller Erfolge in den letzten Jahrzehnten weiterhin ein klarer Handlungsbedarf besteht, da nach neueren Erkenntnissen immer noch rund sieben Prozent der Kinder schweren Jodmangel aufweisen. Auf Grund unterschiedlicher rechtlicher Voraussetzungen in den EU-Ländern verzichtet insbesondere die für den internationalen Markt produzierende Lebensmittelindustrie zunehmend auf den Einsatz von Jodsalz bei der Nahrungsmittelproduktion. Dieser sich seit 2005 abzeichnende Rückgang lässt künftig wieder eine Verschlechterung der Jodversorgung auch von Kindern erwarten.
Nach dem Bericht "Jodversorgung weltweit" der Weltgesundheitsorganisation (WHO) aus dem Jahr 2004 hat sich die Jodmangelsituation zwar spürbar verbessert. Nach einer Datenerhebung in 126 Ländern aus dem Jahr 2003 gilt die Jodversorgung in 43 Ländern inzwischen als ausreichend, in 29 Ländern ist die Jodaufnahme beispielsweise aus dem Verzehr von Fisch und Algenprodukten sogar reichlich bis überreichlich. In 54 Ländern jedoch ist die Jodaufnahme immer noch unzureichend, in 14 davon sogar mangelhaft. Weltweit profitieren insgesamt knapp 70 Millionen Neugeborene noch immer nicht von der gesundheitlich erforderlichen Jodmangelprophylaxe.
Auch nach 25-jährigem Bestehen bleibt es daher weiterhin erklärtes Ziel des Arbeitskreises Jodmangel, die Jodversorgung in Deutschland weiter zu verbessern und damit gesundheitlichen Folgeproblemen vorzubeugen. Da die Verwendung von jodiertem Speisesalz auf freiwilliger Basis erfolgt, ist die intensive und konsequente Aufklärungsarbeit weiterhin von großer Bedeutung. So empfehlen der Arbeitskreis Jodmangel und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, wenigstens einmal pro Woche Seefisch zu essen und zu Hause auf die Verwendung von Jodsalz sowie beim Kauf von Fertigprodukten (einschließlich Brot, Wurst, Käse) auf die Herstellung mit jodiertem Speisesalz zu achten.
Weitere Informationen unter:
www.jodmangel.de (Arbeitskreis Jodmangel)
